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13. Januar 2011 / Pascal Tannich

Paul Trummer im Gespräch

Nachdem wir für den Lektürekurs das „Sachbuch“ „Pizza Globale“ von Paul Trummer gelesen hatten, wartete ein besonderes Highlight auf uns – das Skype-Telefonat mit dem Autor, das unsere Professorin tags zuvor spontan mit ihm verabredet hatte.

Ein offenes Gespräch mit einem jungen, sehr sympathischen Journalisten gab uns die Möglichkeit, Fragen zu seiner Arbeit wie auch zum Inhalt des Buches zu stellen.

Das Telefonat zeigte: Es ist immer lohnend, „sich mit Essen auseinander zu setzen“. Zum Thema passend war der erst frisch in die Medien geratene Dioxin-Skandal – mit giftigen Rückständen im Futter unserer Hühner, Schweine, … .

Es wurde klar, dass eine industrialisierte Nahrungsherstellung beziehungsweise Landwirtschaft zu solchen Skandalen führte, die sich dann auch international auswirkten, wie zum Beispiel im Fall Südkoreas, das den Import von deutschem Fleisch momentan nicht erlaubt, um sich vor dem Gift zu schützen.

Paul Trummer sagte uns, dass es ihm wichtig gewesen sei, beide Seiten in seinem Buch zu Worte kommen zu lassen, sich also nicht nur mit dem Biobauern, sondern auch mit dem Tiefkühlpizza-Hersteller zu unterhalten. Er wollte zeigen, wie ökonomische Interessen die Lebensmittelindustrie beeinflussen. Es geht, wie in jeder anderen Industrie, darum, die Effizienz zu steigern und höhere Gewinne zu erzielen. Es sei ihm aber „zu plump“ gewesen, sich nur mit den Gegnern einer globalisierten Lebensmittelproduktion zu identifizieren und von deren Warte aus zu argumentieren.

Er wiederholte, was er auch in seinem Buch geschrieben hat: „Wir verdrängen sehr gerne, weil wir auf unsere eigene Geldbörse achten.“

Trummer äußerte sich auch zu aktuellen Konflikten: China, als neue Imperialmacht in Afrika, werde es für die Bevölkerung des Kontinents nicht leichter machen.

Paul Trummer berichtete uns, wie die Recherche – sie dauerte im Übrigen eineinhalb Jahre, während der er aber weiterhin seinem Beruf als Redakteur beim Wiener Kurier nachging – sein Ess- und Kaufverhalten nachhaltig verändert hat:

Trummer geht nicht mehr zu Mc Donald’s, kauft viele Bio-Produkte und legt Wert auf saisonale Nahrungsmittel. Außerdem hat Trummer für sich zwei „fleischfreie Tage“ in der Woche eingeführt. Er meint, „wir sollten es uns nicht zu einfach machen“.

Da nur zwei aus unserem Kurs mit ihm direkt sprechen konnten, hatte der Rest des Kurses Fragen vorbereitet. Auf meine Frage, ob Österreicher Bio-Lebensmitteln einen höheren Stellenwert zuschreiben würden, antwortete er erst mit folgender Aussage: „Naja, ihr habt ALDI erfunden …“, bestätigte dann aber, dass durch die kleineren Strukturen, die die österreichische Geographie vorgebe, Landwirtschaft in Österreich tatsächlich anders wahrgenommen werde.

Die Europäische Union plane, so Trummer, kleinere Bauernhöfe zu fördern und den Trend in Richtung kleinerer Produktionseinheiten steuern zu wollen. Das könnte zu lokalerem Produktionsverhalten führen.

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