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27. Februar 2013 / Pascal Tannich

Das war’s… noch lange nicht!

Dieses Blog wird nicht weiter betrieben. Viel besser: Es ist umgezogen. Ihr findet mein Blog jetzt unter blog.tannich.de.

Neben dem langsam aufkommenden Bachelor-Stress hat es zwar etwas länger gedauert, aber dank großartiger Hilfe habe ich es nun geschafft.

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Pascals neues Blog

21. Oktober 2012 / Pascal Tannich

Woche eins beim Zweiten Deutschen Fernsehen

Die Woche

Montag 9.45 Uhr, mein Praktikum beim ZDF begann an der Pforte mit dem Tagesausweis und führte zuerst in die Abteilung Aus- und Fortbildung. Um 10 Uhr ging es mit der Einführung los, dann kurz vor dem Mittagessen weiter in die Redaktion. Jeder Praktikant hatte ein kleines Post-It auf seinen Unterlagen, auf dem der jeweilige Arbeitsplatz für die nächsten Wochen vermerkt war. Also: Ab in den fünften Stock des Hochhauses zum… Fernsehspiel. Nein, hier war was falsch, ich war nicht der richtige Praktikant für diese Redaktion. Machte aber nichts (übrigens auch sehr nette Kolleginnen dort!) Schnell klärte sich am Telefon, dass ich da wohl versehentlich ein falsches Post-It auf meinen Unterlagen hatte.

Zwei Stockwerke tiefer sah es schon viel besser aus: Hier war ich richtig – angekommen beim „Team Lustig“ – verantwortlich für Shows wie „Leute, Leute!“, „Neues aus der Anstalt“, „Pelzig hält sich“ und die „heute-show“. Nach dem Mittagessen ging es durchs Stockwerk, zu den Kollegen von „Wetten, dass..?“, all den anderen Shows und schließlich über die Onliner wieder zurück ins eigene Büro, an dem ich fast vorbeigelaufen wäre, nachdem ich in der Runde durchs Stockwerk leicht die Orientierung verloren hatte.

Anschließend aber ans Werk: Clips sichten, die es möglicherweise in die nächste „heute-show“ schaffen könnten.

Dienstag ging es dann neben den Clips um Zuschauerpost, die beim ZDF erstens ernst genommen und zweitens mit viel Liebe beantwortet wird. Keine ganz leichte Aufgabe, aber am Mittwoch und Donnerstag lief auch das schon recht gut.

Am Mittwoch durfte ich an einer Führung durch die Studios im Sendebetriebsgebäude teilnehmen und konnte im Fernsehgarten Sonne tanken.

Donnerstag stand der erste große Wahlkampfsauftritt von Peer und Angela auf dem morgendlichen Programm: Bundestag live… und wie ihr wisst, fand sich davon einiges in der Show am Freitag. Wie hätten wir das auch „unterschlogen“ können. Außerdem habe ich Polit-Sendungen nach möglichen für die „heute-show“ interessanten Clips durchgesehen.

Die Aufzeichnung

Höhepunkt der ersten Woche war mein Freitag in Köln bei der Aufzeichnung der „heute-show“. Dort angekommen, konnten wir die Proben für den Abend miterleben. Auch, wenn mir vorher größtenteils klar war, wie eine solche Sendung produziert wird, macht es doch einen Unterschied, es wirklich zu erleben. Stephan Denzer, mein Chef und „Erfinder der „heute-show““ (Filmakademie Baden-Württemberg), führte meine Praktikantenkollegin und mich durch die Studios in der Schanzenstraße und erklärte uns die Technik: ein weiteres, schönes Extra des Tages.

Satire ist übrigens immer noch (ein bisschen) Theater. Kulissenumbau und Proben gehören dazu wie Aberglaube und Bräuche, die für die nötige Sicherheit sorgen. Auch bei Oliver Welke, dem abgebrühten Anchorman der „heute-show“. Details kann ich leider nicht verraten: Aberglaube und so…

Schön, Alexander Schubert ungegelt beim Proben seiner Rolle des Albrecht Humboldt zu beobachten und zu sehen, wie sich die Protagonisten vor der Show noch Tipps für ihre Auftritte geben und bis zum Schluss an den Details gefeilt wird: Zum Beispiel Claus von Wagners französischen Grüßen. Christine Prayon machte mir in der Probe fast noch mehr Freude als in der Show selbst.

Abends dann die Aufzeichnung: Die Tribüne füllt sich mit 200 Gästen, wir sitzen in der Regie. Das Publikum wird auf die Sendung eingestimmt. Dann: Auftritt Oliver Welke, der nochmal das Publikum auf die folgende halbe Stunde vorbereitet und mit einem Mini-Stand-Up-Programm für die richtige Stimmung im Studio sorgt. Schon geht es los. Ab jetzt hält sich alles an den Ablaufplan: Ton, Bild, Regie. Im „Kontrollraum“ werden die Einspieler eingezählt, Schwenks und Kameras zugeteilt, die Sendung komponiert.

Es sind eben nicht nur Oliver Welke und die anderen Schauspieler, sondern mit ihnen auch das ganze Team, das fürs Gelingen verantwortlich ist. Requisiten, Kulissen, Regie, Bild, Ton, Redaktion und, und, und…

Es war toll, vielleicht klappt’s in den nächsten sechs Wochen nochmal.

Gute Reise

Meine Heimreise aus Köln möchte ich hier in einem eigenen Kapitel schildern. Sie begann um kurz nach 21 Uhr in Köln-Mülheim. Eine laue Sommernacht klanglich durchbrochen von Sirenengeheul und geruchlich durch die Bierlache auf dem Boden der U-Bahn, die im Rhythmus der Haltestellen langsam hin und her schwappte. Am Hauptbahnhof erreichte ich in vollem Sprint das Gleis, um dort zu erfahren, dass sich der ICE um eine Viertelstunde verspäten würde.

Oh, wäre es doch nur bei dieser Viertelstunde geblieben. Immer wieder die Bahn-Website befragend, erfuhr ich von immer interessanteren „schnellsten“ Verbindungen. Und so führte mich meine Reise im ICE nach Frankfurt, dann im IC nach Mainz. Dies war auch für den Schaffner von Frankfurt nach Mainz derart irritierend, dass er mich doch glatt fragte: „Ham Sie auch noch ’nen and’ren Fahrschein?“ Worauf ich ihm entgegnen musste, dass ich nicht unbedingt freiwillig diese extravagante Route gewählt hatte.

Von Mainz aus ging es dann nur noch mit dem Auto nach Darmstadt, was in nicht mal 20 Minuten erledigt war. Nun: Es gibt effizientere Wege von Köln nach Darmstadt. Doch hatte ich ja eigentlich mit einer schnellen Verbindung gerechnet und war, mein Wochenendgepäck zurücklassend, nur mit leichtem Gepäck nach Köln gereist. So war ich gezwungen im Zickzackkurs mal aufs Ziel zu, mal vom Ziel weg zu reisen.

Weltenbummler wider Willen, kam ich nach fast fünf Stunden daheim an. Morgens hatte ich die Strecke als Mitfahrer im Auto in weniger als der Hälfte der Zeit absolviert. Die Bahn macht eben mobil. Nur nicht immer zielgerichtet.

30. September 2012 / Pascal Tannich

So kurz können elf Wochen sein

Am Freitag endete meine letzte Praktikumswoche bei Sympra. Ich habe viel gesehen – und damit meine ich nicht nur den Hausbrunnen, den Gewölbekeller und den Serverraum oder die Archive, den wunderschönen Garten und all die anderen Orte in der Stafflenbergstraße 32. Eine Adresse, an der nicht nur gearbeitet, sondern auch täglich gemeinsam gegessen und zu gegebenem Anlass gefeiert wird. In diesem Jahr etwas häufiger als sonst. [Anm. d. Autors: Sympra ist 20 geworden.]

Die Sympra-Residenz

So viel ich auch gesehen habe, habe ich doch noch viel mehr miterlebt und mitgestalten können und dürfen. Das „PR-Luft-Schnuppern“ ist inzwischen in Atmen übergegangen. Auch wenn ich nicht so weit gehen möchte, meinen Arbeitsplatz im Dachgeschoss als Höhentraining zu bezeichnen.

Recherchieren, Texten, Gestalten

Ich wollte unbedingt wissen, wie all die Abstimmungsprozesse mit Kunden funktionieren oder wie eine Zusammenarbeit für einen Kunden zwischen mehreren Agenturen abläuft. Das habe ich erlebt.

Von Anfang an gehörte Recherche in ihren verschiedensten Formen und mit den unterschiedlichsten Thematiken zu meinen Aufgaben: Welche Kommunikationswege wählen Versicherungsgesellschaften im Web? Wie erreiche ich indische Erfinder und afrikanische Nichtregierungsorganisationen? Wie viel Strom verbraucht das Internet? Finde ich die Antwort schneller online oder wen muss ich anrufen, um das herauszubekommen?

Aber auch Gestalten und Texten fand in den letzten Wochen statt: Unter anderem in Form des Smart Communication Newsletters, mit dem Alcatel-Lucent seine Mitarbeiter über aktuelle Entwicklungen in Sachen Glasfasertechnologie informiert.

Durch Korrekturlesen, Clippings und das Erstellen von Pressespiegeln konnte ich weitere Einblicke in die Arbeitsfelder von Sympra gewinnen. Auch Tricks und Kniffe aus dem Studium fanden – unter anderem beim Bloggen für Kunden und Sympra selbst – Verwendung.

Doch neben dem „Was“ ist mir ganz besonders das „Wie“ der Arbeit bei Sympra ans Herz gewachsen. Alle Türen stehen offen, Fragen sind immer willkommen, egal ob „du“ oder „Sie“. Kommuniziert wird meist sowieso über die internen Kürzel: So heißen dann die Geschäftsführer auch „hst“ (Helmut von Stackelberg) und „mat“ (Veit Mathauer).

Ich habe viele schöne Erfahrungen gesammelt und nette Menschen kennenlernen dürfen.

Nun werde ich aber noch nicht direkt an die Hochschule in Dieburg zurückkehren, denn es stehen sieben Wochen beim ZDF in Mainz an. Dort werde ich ein Praktikum in der Redaktion von Neues aus der Anstalt absolvieren.

Ob sich die neuen Chefs „pri“ (Urban Priol) und „bar“ (Frank-Markus Barwasser) nennen lassen werden, berichte ich dann bald. In der Hoffnung, dass ich sie in Mainz treffe, wo doch in München aufgezeichnet wird.

8. Juli 2012 / Pascal Tannich

Das ist Demokratie

Das neue Melderecht lässt Bürger schutzlos zurück – Widerspruch ist zwecklos. Interessant ist aber auch, wie viele Abgeordnete das Gesetz verabschiedet haben. Ging ganz schnell, waren auch nicht allzu viele Stimmen zu zählen.

Update 14.47: Seit 20 Minuten auf Hyperland.

Update 22.40: Die Süddeutsche meldet, dass sich Ilse Aigner und der Deutsche Städtetag gegen das Gesetz ausgesprochen hätten. Aigner formuliert aber sehr vorsichtig.

30. Juni 2012 / Pascal Tannich

Wer wird sich denn so empören?

[Aus aktuellem Anlass möchte ich hier eine Glosse aus der Textwerkstatt nachreichen:]

 

Die UEFA schneidet aufgezeichnete Filmschnipsel in die Live-Übertragungen des EM-Vorrunden-Spiels zwischen den Niederlanden und Deutschland. Europa ist in Aufruhr, ARD und ZDF sind empört. WDR-Chefredakteur und ARD-EM-Teamchef Jörg Schönenborn sagte: „Das deutsche Publikum erwartet, dass live drin ist, wenn live drauf steht. Live ist live und muss live bleiben.“

Alles nur Show, was wir da aus der Ukraine und Polen zu sehen bekommen? Authentische Szenen aus den Stadien: Fehlanzeige? Sollte Joachim Löw tatsächlich während des Spiels zu angespannt gewesen sein, um mit dem Balljungen zu scherzen?

Nein, natürlich nicht. Dieses eine Mal war ein unglücklicher Vorgang. Und das andere Mal auch. Die anderen Bilder aus den Stadien entsprechen selbstverständlich der Realität und spiegeln die Stimmung in den Stadien 1:1 wieder.

Sie fragen sich, warum dann bei Ihnen daheim im Stadion so selten hübsche Frauen in knapper Bekleidung neben Ihnen sitzen? Nun, in der Ukraine ist das eben so. Auf Schalke sitzt neben Ihnen kein süßes, kleines Mädchen, das sich gemeinsam mit dem jungen Vater über Tore freut und ein Miniaturfähnchen schwingt? Naja, das ist ja auch Gelsenkirchen.

Was meinen Sie? Bei Ihnen im Stadion rieche es nach einer Mischung aus Schweiß und Zigarettenrauch gepaart mit Bengalo-Dämpfen? Dann nichts wie ab in die Ukraine: Egal, wohin dort die Kamera schwenkt: Junge Frauen, süße Kinder, alle im Torjubel und Stimmungsrausch. Leere Sitze, Bengalos, Gegenstände, die auf die Spielfelder oder gar auf Spieler geworfen werden? Nein, sowas gibt es hier nicht. Ganz zu schweigen von politisch Andersdenkenden.

Ukraine: Wo der Fußball zuhause ist und die Welt noch stimmt.

 

P.S.: Ich komme hier gerade nicht ganz hinterher. Abschließende Berichte zum beinahe beendeten Semesterprojekt folgen natürlich noch und dann geht es in zwei Wochen auch schon ab in die Praxisphase. Ich freu‘ mich.

20. Mai 2012 / Pascal Tannich

„Krieg in Frankfurt…

und keiner geht hin.“

Gestern haben wir an der Uni simulierten Online-Journalismus betrieben und Berichte auf Basis von Agentur-Meldungen gebaut.

Thema war unter anderem auch Blockupy und ich kam nicht umhin, obige Aussage zu tätigen.

Vera Bunse hat auf CARTA die gleiche Meinung etwas ausführlicher geäußert. Es ist ernüchternd, wenn Gerichte politische Entscheidungen bestätigen, die die Meinungsfreiheit beschneiden. Präventiv friedliche Protestcamps zu räumen und gegen Demonstranten gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer aufzufahren, führt nicht zu einer Entspannung. Wer fühlte sich nicht von einer derartigen Gewaltdemonstration seitens des Staates bedroht?

Natürlich gibt es Menschen unter den Demonstranten deren Ziele Randale und Zerstörung sind, sie sind aber nicht die, die hinter den kapitalismuskritischen Aktionen stehen. Diesen aggressiven Menschen ist egal, bei welchen Demos sie ihre Zerstörungswut entladen.

Vielleicht kommt ein Denkprozess in der Bevölkerung in Gang, wenn in den Medienberichten immer mehr menschenleere Straßen, bewacht von berittenen Polizisten zu sehen sind. Geräumte Plätze, umstellt von Hundertschaften, werden hoffentlich Irritation beim Bürger auslösen. Denn er bezahlt schließlich die Polizisten.

Dass aus ganz Europa Demonstranten anreisen, daran wird sich deutsche Politik wohl gewöhnen müssen. Das war und ist in Sachen Atompolitik der Fall und trifft auch auf Finanzmarkt-Kritik und ACTA-Demos zu. Europäische Themen werden in europäischen Städten von europäischen Bürgern angegangen werden.

8. Mai 2012 / Pascal Tannich

Nette Platte

Ich höre ihn immer wieder gerne und vor ein paar Tagen hat er seine aktuelle Cover-Platte auf Soundcloud hochgeladen: Mayer Hawthorne Impressions

Genießt es.

6. Mai 2012 / Pascal Tannich

Meine erste Blutspende

Jeder von uns kann in die Lage geraten, eine Blutspende zu benötigen. Sei es bei einer Operation, aufgrund eines Unfalls oder aus einem ganz anderen Grund. Gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die ihr Blut für solche Fälle spenden.

Wie kam es zu diesem Video?

Wie ihr wisst, arbeiten meine Kommilitonen und ich in diesem Semester an einem Printmagazin für Kinder der dritten und vierten Klasse. Das Konzept brauche ich hier nicht noch einmal schildern, denn das habe ich bereits beschrieben.

Inzwischen beginnt das Layout des Hefts erste Formen anzunehmen und die Themen haben sich klarer herauskristallisiert. Für mich schon vor einiger Zeit:

Das Thema Blut lässt sich für Kinder anschaulich und vielfältig darstellen. In diesem Rahmen haben Martin, Daniel und ich dann auch das Video geplant und für den Videokurs in diesem Semester umgesetzt. Nachdem Daniel das Thema Blut- und Plasmaspende spontan des nachts in die Runde warf, entwickelte sich in meinem Kopf schnell eine recht klare Vorstellung, wie ich das Thema im Heft umsetzen und mit einem Video aufwerten wollte. Deshalb ist das Video auch im Sinne der „Sendung mit der Maus“ gedreht und vertont. Es wird im Heft in Fakten und Geschichten zum Thema Blut eingebettet werden.

Ich bin sehr glücklich über das, was Martin hinter der Kamera und Daniel am Ton während der beiden Drehtage aufgezeichnet haben.

Martin und ich haben meiner Meinung nach beim Schnitt nochmal dazu gelernt im Vergleich zum letzten Videokurs vor einem Semester. Ich bin stolz auf das Ergebnis. Mit Martin zu schneiden macht großen Spaß und ist sehr produktiv. Die 12 Stunden an der Uni haben sich gelohnt und waren weniger anstrengend als manch andere, viel kürzere „Tage des Lernens“ …

Das lag definitiv auch an Martin Böttner, unserem Video-Guru. Wie schon vergangenes Semester konnten wir uns immer auf kompetente Ratschläge verlassen und eine mehr als nur angenehme Lern- und Arbeitsatmosphäre. Für Martins Kurs alleine lohnt es sich fast schon, sich für das Studium einzuschreiben.

Gedreht haben wir im Blutspendezentrum Darmstadt. Für die Bereitschaft der Mitarbeiter nochmal herzlichen Dank an dieser Stelle – namentlich an Birgit Jelinek und Tamara Gilbert, die sich vor der Kamera äußerten.

Auf Bauchbinden und Einblendungen haben wir dieses Mal bewusst verzichtet, da wir das Video erstens als Erweiterung des Printprodukts sehen und wir Derartiges zweitens für die Zielgruppe nicht angebracht fanden.

Ich freue mich auf eure Kritik und Anregungen. Wie immer. Ihr kennt das ja schon. Selbstkritik: Die Erklär- beziehungsweise Erzählstimme hätten wir nicht zu jeder Szene machen müssen. Ein bisschen Ruhe, damit die Situationen wirken können, hätte wohl an ein, zwei Stellen nicht geschadet.

P.S.: Demnächst werden alle Beiträge des gesamten Kurses als komplette „Magazin-Sendung“ online gehen. Update folgt dann.

Update 1: Martin Böttner hat die Sendung auf seinen Vimeo-Account geladen.

28. April 2012 / Pascal Tannich

Digitaler Kindergarten

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir den Begriff „Suchmaschine“ nicht mehr verwenden? „Suchen“ und „Finden“ passten schon zum Start dieser Art von Dienstleistung nicht ganz richtig. Denn die Ergebnisse einer „Such“maschine listeten Betreiber-Unternehmen von Anfang an nach eigenen Rangfolge- und Auswahlkriterien. Legitim, denn schließlich finanziert sich die Dienstleistung nicht von alleine. Die immer stärker integrierten sozialen Ströme in den „Such“-Algorithmen könnten aber dazu führen, dass sich Suchmaschinen zu digitalen Sandkästen entwickeln. „Die Kleinen“ sandeln ein bisschen unter Aufsicht und spielen mit Förmchen und Schäufelchen.

Wenn sich Suchmaschinen dem vermeintlichen intellektuellen Niveau des Nutzers anpassen, wird die Gesellschaft verdummen. GeekWire beschreibt ein anderthalb Jahre altes Microsoft-Patent. Die Idee der Entwickler: Rückschlüsse aus den Aktivitäten in sozialen Netzwerken sollen die Suchergebnisse beeinflussen. Aber nicht etwa das Like beim Sportverein oder der Schuhmarke, sondern wie intelligent meine eigenen Äußerungen in sozialen Netzwerken sind. Dümmliche Postings – seichte Suchergebnisse.

Sicher würde ein solches „Bing for Dummies“ manchem Nutzer leicht verständliche Kost auf den Bildschirm liefern. Aber durch was sollen wir uns dann bilden? Wie sollen wir neue Ideen bekommen? Was uns antreibt sind Ideen und Meinungen, die wir nicht verstehen, aber verstehen wollen. Das ist die Motivation am Lernen. Wenn wir Herausforderungen nicht mehr gestellt bekommen, wenn intellektuelle Unterforderung alltäglich wird, wo soll das hinführen? Wo stuft Bing eine Person ein, die auf facebook hauptsächlich Cat-Content verbreitet?

Außerdem setzt die Technik voraus, dass wir grundsätzlich liken, was uns gefällt, dass wir nur verbreiten, was uns interessiert, und dass unser Profil der Wahrheit entspricht.

Für mich hört sich das so an, als müssten wir uns bald auf digitale Breinahrung umstellen. Für Felix von Leitner ist das digitale Elitenbildung. Das freie Netz wird durch solche Entwicklungen jedenfalls nicht größer.

Will man wirklich wissen, wie Google funktioniert, bekommt man tatsächlich die groben Züge erklärt. Doch wie die Selektion funktioniert, bleibt weiter Betriebsgeheimnis. Warum dürfen wir aber nicht wissen, weshalb uns Google was zeigt. Wäre das nicht ein großartiges Erlebnis, wenn neben einem Suchergebnis die Gründe für seine Positionierung erläutert würden? In Ansätzen gibt es das schon, aber wirkliche Transparenz der Gründe für Rangfolge und Auswahl der Suchergebnisse existiert nicht.

Warum sollen sich meine Suchergebnisse überhaupt nach meinen Äußerungen in sozialen Netzwerken richten? Wenn ich Tipps zum Pflanzen von Rosen brauche, möchte ich doch am liebsten auf Inhalte von Gärtnern geschickt werden. Wäre es also nicht viel effektiver, würden soziale Feeds von Spezialisten integriert? Themenspezifisch immer neu sortiert.

Konsequent ist die Vorgehensweise von Suchmaschinenanbietern natürlich. Primär geht es ja auch darum, den Suchenden mit optimal abgestimmten Anzeigen zu versorgen und nicht darum, intelligente Inhalte zu präsentieren. Natürlich balancieren die Suchmaschinenanbieter auf dem Grat zwischen möglichst zufriedenen Anzeigenkunden und möglichst unabhängigen Suchergebnissen. Denn wären die Suchergebnisse nicht zufriedenstellend, würden sich die Nutzer abwenden. Der Werbemarkt bräche zusammen.

Die Frage, die sich der Nutzer mit jeder Suche stellen sollte, ist: Will ich akzeptieren, dass ein Wirtschaftsunternehmen meine Suchergebnisse an den Interessen anderer Wirtschaftsunternehmen orientiert? Es ist dieselbe Frage, die sich im Supermarkt stellt. Bin ich mir bewusst, dass ich als Nutzer mitbestimmen kann? Wir entscheiden, wer die Marktmacht hat. Vor der Kühltheke wie am Suchfenster. Entweder wir schwören einem anderen König die Treue und wechseln die Suchmaschine, wenn uns das Gebaren nicht mehr passt. Oder noch viel besser: Wir rufen die Republik aus und kümmern uns selbst um unsere Links und Informationen.

16. April 2012 / Pascal Tannich

Was verrätst du Facebook?

Die Techische Universität Darmstadt, genauer das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik, forscht in Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk. Zusammen mit hr-info wollen die Forscher wissen, was wir auf sozialen Netzwerken über uns veröffentlichen.

Die Umfrage ist wertvoll, weil mit ihr Forschung zu neuen gesellschaftlichen Entwicklungen betrieben wird. Allerdings bezweifle ich, dass herausragende, neue Erkenntnisse gewonnen werden. Die Studie wird bestätigen, dass Facebook dem Stalken dient und wir viel über uns selbst in sozialen Netzwerken preisgeben. All dies in der Hoffnung, neue Menschen kennenzulernen.

Es wird zwar nach den Chancen gefragt, die ein Social Network bietet, um Freundschaften zu schließen und neue Menschen kennenzulernen. Ich vermisse in der Umfrage aber die Frage, wie oft das schon in bestehenden Netzwerken funktioniert hat.

Ich finde es ein bisschen traurig, dass das „fiktive Netzwerk“ in der Umfrage ein Facebook-Klon ist. Hier hätte ich mir Fragen gewünscht, die auch andere Aspekte berücksichtigen. Zum Beispiel: „Sie haben zwei Social Networks zur Auswahl: Die AGB des einen passen auf eine DIN A4 Seite, beim anderen sind es 45 Seiten. Für welches entscheiden Sie sich?“ Ich vermisse auch Fragen wie: „Wünschen Sie sich Alternativen zu kommerziellen Angeboten?“ Oder: „Wie viele Freunde haben Sie über soziale Netzwerke kennengelernt?“ und „Dienen soziale Netzwerke für Sie dem Erhalten bestehender Freundschaften?“

Ein Schmunzeln löst zudem die Frage nach dem Beziehungsstatus aus. Nachdem man beantwortet hat, ob man in sozialen Netzwerken seinen Status in Sachen Beziehung in der Regel angibt, folgt unter folgender Prämisse…

Hinweis zu den darauffolgenden demografische Fragen.

… diese Frage:

Frage nach dem Beziehungstatus.

Die Beziehungsfrage muss beantwortet werden, um die Umfrage abschließen zu können. Also habe ich da mal eben eine falsche Aussage gemacht. Ha. Falls jemand fragt, ich bin verwitwet.

Letzter kleiner Kritikpunkt meinerseits: Inhaltlich gedoppelte Fragen haben mich ein bisschen gestört.

Natürlich dienen Studien immer dazu, Vermutungen zu bestätigen oder sie zu widerlegen (meist sind das die interessanteren Studien). Aber ich hätte mir trotzdem ein weiteres und mutigeres Fragenspektrum gewünscht.

Trotz meiner Kritik hoffe ich, die Umfrage findet reichlich Zulauf und wirft aufschlussreiche Ergebnisse ab.

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